Der in Cleveland geborene Gene O´Connor wurde unter seinem Punkrock-Pseudonym Cheetah Chrome bekannt. Als Gitarrist solcher Kultbands wie den Proto-Punks von Rocket From The Tombs und den Dead Boys gehört er zum Urgestein der New Yorker Punk-Szene.

Nach dem Ende der Dead Boys 1979 machte Cheetah Chrome hauptsächlich durch Soloprojekte und als Session-Musiker für so unterschiedliche Künstler wie Jeff Dahl, Sonny Vincent oder Ronnie Spector von sich reden. Heute lebt er mit seiner Frau in Nashville und spielt in seiner Band Sweet Justice.

Beim Punk! Kongress wird Cheetah Chrome mit seinen Ex-Kollegen von Rocket From The Tombs deren Repertoire zum Besten geben und über sein bewegtes Rock & Roll Leben berichten.

Ausgerechnet die Beatles lösten beim jugendlichen Cheetah Chrome den Wunsch aus, selbst Musik zu machen, nach dem er ihren Auftritt bei der „Ed Sullivan Show“ gesehen hatte. Wenig später ließ er aber melodischen britischen Pop für immer hinter sich, als er Anfang der 70er Jahre die Stooges, MC 5 und die Alice Cooper Band für sich entdeckte. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Schlagzeuger John Madansky (alias Johnny Blitz) lernte er den Rock-Poeten
Peter Laughner
kennen, der die beiden für seine Band Rocket From The Tombs (RFTT) engagierte.

Diese legendäre Band hat zwar während ihres Bestehens keine Platten veröffentlicht, weil sie sich nach knapp einem Jahr auflöste, wirkte aber stilprägend, weil sie zur Keimzelle zweier berühmter Nachfolger wurde: Aus RFTT gingen Pere Ubu, die von Laughner und David Thomas gegründet wurden, und die Dead Boys hervor, die von Chrome und Blitz aus der Taufe gehoben wurden. Beide Gruppen übernahmen Songs aus dem Repertoire von RFTT.

Nach der kurzlebigen Formation Frankenstein, in der Chrome und Blitz gemeinsam mit dem Gitarristen Jimmy Zero und dem Sänger Stiv Bators spielten, zog das Quartett mangels Auftrittsmöglichkeiten in Cleveland nach New York um. Für einen Gig im Club CBGB´s wählten sie den Namen The Dead Boys. Ihr umjubeltes Debüt hatte die neue Formation am 25. Juni 1976: Begeistert von der wilden Musik und der rabiaten Show ihres Frontmanns, übernahm
Hilly Kristal, der Betreiber des CBGB´s, das Management der Band.

Auf Sire Records erschien 1977 die erste LP der Dead Boys mit dem passenden Titel „Young, Loud And Snotty“. Live machten sie vor allem durch ihre wüste, gewalttätige Bühnenshow von sich reden. Stiv Bators strapazierte mit makabren Gags à la Iggy Pop die Schmerzgrenzen des Publikums: Mit Sicherheitsnadeln ans T-Shirt geheftete Salamischeiben gehörten da noch zu den harmloseren Scherzen. Bald absolvierte die Band auch gemeinsam mit ihren Kumpels von
The Damned eine erfolgreiche UK-Tour.

Im Juni 1978 kam auf Sire das zweite Dead-Boys-Album „We Have Come For Your Children” heraus. Neben solchen Punkrock-Klassikern wie „3rd Generation Nation“ und „(I Don´t Wanna Be No) Catholic Boy“ findet sich auf ihr - wie schon auf dem Debütalbum - mit „Ain´t It Fun“ erneut ein altes RFTT-Stück.
Eine anschließende US-Tour wurde jedoch ein finanzielles Desaster; auch die beiden Platten verkauften sich nicht so gut wie geplant. Sire verlangte daher von der Band, ihren Sound zu eingängigerem „New Wave“ abzuschwächen. Um ihren Vertrag zu erfüllen, entschied sich die Band dafür, eine Live-LP im CBGB´s einzuspielen. Während der Show sang Bators absichtlich am Mikrofon vorbei, um die Aufnahmen wertlos zu machen; sie erschienen erst Jahre später auf Bomp-Records als „Night Of The Living Dead Boys“.

Danach hatten die Dead Boys kein Glück mehr: Erst wurde Drummer Johnny Blitz niedergestochen und dabei lebensgefährlich verletzt wird, dann löste Sire 1979 den Plattenvertrag auf. Die Mitglieder der Band gingen von da an getrennte Wege. Nur Ende der 80er Jahre kam es noch einmal zu einer kurzen Reunion mit der Veröffentlichung einer Zwei-Track-12“ auf Relativity.

Am erfolgreichsten war zeitweise Stiv Bators: Nach einer Powerpop-lastigen Solo-LP für Bomp gründet mit Ex-Mitgliedern von Sham 69 und The Damned in England erst die The Wanderers und später die Independent-Lieblinge Lords Of The New Church. 1990 starb er aber auf tragische Weise in Paris an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Cheetah Chrome spielte 1979 eine seltene Solo-Single auf dem New Yorker Ork Label ein und schloss sich dann für ein Jahr der Backingband von Nico an. Dann hörte man bis Ende der 80er Jahre – von Gastauftritten als Session-Musiker abgesehen – nichts mehr von ihm. Nach der kurzlebigen Dead-Boys-Reunion 1987 ging er zwar einige Engagements ein. Doch ein von
Genya Ravan produziertes Solo-Album das Chrome 1996 einspielte, wurde aufgrund von Rechtsproblemen nie veröffentlicht. Erst drei Jahre später erschien der Nachfolger „Alive In Detroit“ auf DUI Records.

Um alte RFFT-Bänder für eine Veröffentlichung vorzubereiten, nahmen Chrome und David Thomas nach langer Zeit wieder Kontakt auf. Daraus entwickelte sich schließlich eine kleine Tour durch Nordamerika und „Rocket Redux“, ein gemeinsam eingespieltes Studioalbum des RFFT-Livesets. Außerdem hat Cheetah Chrome mit Sweet Justice seine eigene, hochkarätige Backingband gebildet. Eine Studio-LP und Konzerte in Europa sind in Planung.

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